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Identifizierbare Berichterstattung mit ungepixelten Bildaufnahmen über Vergewaltigungsopfer bedarf der ausdrücklichen Einwilligung des Opfers

Veröffentlicht von Tim Hoesmann am

Das Langericht Berlin hat die Rechte von Gewaltopfern gegenüber der Presse gestärkt. Das Opfer eines Gewaltverbrechens muss nach Ansicht des Gerichts ausdrücklich in eine identifizierende Berichterstattung einwilligen. Dies gilt insbesonders für die Veröffentlichung von ungepixelten Fotos.

Hier kam es nach einer mündlichen Verhandlung über den Fall vor dem Landgericht Neuruppin zu einem Treffen mit der Presse und das Opfer stellte sich für Fotos zur Verfügung. Sie betonte, sich nicht verstecken zu wollen.

Nach Ansicht des LG Berlin kann diese Äußerung noch nicht als Zustimmung in eine Veröffentlichung gewertet werden.  Dies ergebe sich aus insbesondere aus den Äußerungen des Rechtsanwaltes, der wiederholt auf eine Anonymisierung der Bilder hinwies.

Das Gericht sieht hier einen gravierenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht, da sie als Opfer jahrelangen sexuellem Missbrauchs und Vergewaltigungen durch ihren Stiefvater mit Details zu ihrer Schwangerschaft und Geburt ihrer Tochter einer breiten Öffentlichkeit in identifizierbarer Art und Weise präsentiert werde und verurteilte die Beklagte zu einer Geldentschädigung in Höhe von 20.000 €

Urteil im Volltext: https://www.presserecht-aktuell.de/?page_id=1105