Rufnummer 030 – 610 80 41 98

Die Verwertung der fotographischen Dokumentation eines urheberrechtlich geschützten Happenings bedarf der Zustimmung des Künstlers

Veröffentlicht von Tim Hoesmann am

Das LG Düsseldorf hat sich in seiner Entscheidung vom 29. September 2010, Az. 12 O 255/09  – Veröffentlichung in ZUM oder ZUM-RD folgt – erneut mit der Frage befasst, wie sich eine künstlerische Performance einerseits und davon angefertigte und auf einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentierte Fotographien andererseits aus urheberrechtlicher Sicht zueinander verhalten.

Vorausgegangen war ein Konflikt zwischen dem Museum Schloss Moyland und der Witwe des 1986 verstorbenen Fluxus-Künstlers Joseph Beuys.
Das Museum hatte ohne Zustimmung der VG-Bildkunst, welche die Rechte an Beuys Werken treuhänderisch wahrnimmt, eine Serie von Fotos ausgestellt, die die  Durchführung des urheberrechtlich geschützten Beuys-Happenings „Das Schweigen des Marcel Duchamp wird überbewertet“  im Jahr 1964 dokumentieren.
Dieser Konflikt gipfelte im Erlass einer Einstweiligen Verfügung durch das LG Düsseldorf am 15. Juni 2009, AZ 12 O 191/09. Darin wurde der Stiftung Schloss Moyland auf Antrag der VG Bildkunst untersagt, besagte Fotos auszustellen.

Mit der jetzigen Entscheidung in der Hauptsache bestätigt das LG seine Ansicht, wonach die öffentliche Ausstellung der Fotographien als Verwertung zumindest einer nicht autorisierten Umgestaltung i.S.d. § 23 UrhG  einzuordnen ist. Demnach stellt die fotographische Dokumentation eines urheberrechtlich geschützten Happenings eine „Nutzung in abgeänderter Form“ dar, deren Verwertung – hier in Form der Ausstellung – der Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers bedarf.

Fraglich ist, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf den Bereich der Live- bzw. Bühnen-Fotographie haben wird.

Die Beklagte hat angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen.